Leben

Gisbert Flüggen wurde am 9. Februar 1811 in Köln als ältestes von vier Kindern geboren. Wie die "Illustrirte Zeitung" aus Leipzig in ihrer Ausgabe 684 vom 9. August 1856  berichtete, lebte die Familie anfangs in "sonst so glücklichen Verhältnissen", bevor sie durch "schwere Vermögensverluste" verarmte. So war der junge Flüggen gezwungen, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Er arbeitete drei Jahre in einer "bedeutenden" Galanteriewaren-Fabrik in Köln und malte dort die verschiedensten Gegenstände.


Der junge Gisbert Flüggen auf einer Zeichnung, deren Kopie sich in dem Nachlass eines Nachfahren des Künstlers befand. Wer die Zeichnung angefertigt hat, ist unbekannt.                          

Auch außerhalb der Arbeit ging Gisbert Flüggen seinen künstlerischen Neigungen nach und besuchte das "Wallrafianum" (ab 1861 Wallraf-Richartz-Museum), um dort nach der Antike zu malen und zu zeichnen. Während sich seine Familie vor allem mütterlicherseits vehement gegen eine künstlerische Laufbahn aussprach, fand er große Unterstützung bei dem Kölner Maler Joseph Weber, der Freund und Lehrer zugleich war. Großen Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung hatte auch die benachbarte Kunstakademie in Düsseldorf, an der er einen großen Teil seiner Studienzeit verbrachte.


Die Geburtsurkunde von Gisbert Flüggen.

"Allein Flüggen ließ sich nicht irre machen", schrieb die "Illustrirte Zeitung" zu den Widerständen in der Familie in ihrem mehrseitigen Bericht, "er kannte sich selbst, sein Wollen und sein Können. Alle Hindernisse, welche dem jungen Künstler sich entgegenstemmten, dienten nur dazu, seinen Willen, seinen Muth zu stählen und seine geistige und moralische Elastizität zu erhöhen. ,Unermüdliches Streben und Ausdauer' war sein Wahlspruch. Dafür ward ihm auch bald die große Freude zu Theil, seine Angehörigen unterstützen zu können, gewiß der höchste Lohn für einen jungen Künstler, dessen heißer, dem gewöhnlichen Auge unbegreiflicher Drang zur Kunst seiner Familie eine Quelle ängstlicher Besorgniß gewesen war."


Gisbert Flüggen,
in Öl porträtiert von August von Kreling
(im Privatbesitz der Familie)


Durch eine Erbschaft wurde Gisbert Flüggen, wie die "Illustrirte Zeitung" schrieb, "in den Stand gesetzt, seine Studien mit größerem Schwunge zu betreiben, und um der Kunst mit ganzer Seele zu dienen, scheute er kein Opfer, das ihm derselben würdig erschien."

Nachdem Gisbert Flüggen eine kurze Zeit in Gent in Flandern gelebt hatte, wählte er nach Angaben der "Illustrirten Zeitung" im Jahre 1832 München zu seinem ständigen Aufenthaltsort. Am 24. Oktober 1833 schrieb er sich dort an der Akademie der Bildenden Künste ein, die zu dieser Zeit einen weltweit führenden Ruf genoss. Gleichzeitig war er aber auch noch in Köln, wo am 5. November 1834  die Ehe mit der Friseurin Catharina Hölzgen geschlossen wurde. Sie wurde am 2. Januar 1815 in der Domstadt geboren und entstammte einer Kölner Familienreihe Hölzgen / Trips, die sich bis 1732 nachweisen lässt. Zum Zeitpunkt der Eheschließung war Gisbert 23 Jahre, Catharina 19 Jahre alt.

 
Catharina Hölzgen, die Ehefrau von Gisbert Flüggen,
 als Zeichnung und Ölgemälde (im Privatbesitz der Familie)

Das Paar bekam sechs Kinder: August Thomas (geboren 27. August 1836 in München, verstorben 20. Februar 1929 in Nürnberg),  Ottmar G. (g. 22. Mai 1840 in München, v. 7. November 1902 ebenda), Joseph Eduard (g. 3. April 1842 in München, v. 3. November 1906 in Bergen), Eudoxia (g. 27. Juni 1843 München, v. Dezember 1929 ebenda), Anna (g. 9. August 1852 in München, v. 19. September 1934 ebenda) und Josephine (g. 19. August 1855 in München, v. in Nürnberg).

In der Zwischenzeit war Gisbert Flüggen bereits zu einem der bekanntesten Künstler Münchens aufgestiegen. Seine Bilder fanden große Anerkennung. Er beteiligte sich an den Vorbereitungen berühmter Künstlerfeste, wie dem Albrecht-Dürer-Fest 1840. Er wurde Mitglied des „unter dem Allerhöchsten Protektorate Seiner Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten Luitpold von Bayern stehenden Kunstvereines München“ und des Vereins „zur Unterstützung Unverschuldet in Noth Gekommener Künstler und deren Relikte“. Zu seinen Mitarbeitern zählte zeitweilig auch der Kölner Grafiker und Zeichner Tony Avenarius.


Gisbert Flüggen
Stahlstich von August Weger, mehrere Exemplare in Familienbesitz

Gisbert Flüggens Ateliers wurden zum Ziel von Münchner Reiseführern. Hier unterrichtete er auch seine Schüler, zum Beispiel die Malerinnen Mari Biasini, Hanna Bieber-Böhm und Helisena Girl sowie die Maler Carl Spitzweg und Anton Seitz. Gisberts Sohn Joseph, der als Genre- und Historienmaler des Realismus später ebenfalls sehr bekannt wurde, begann bei seinem Vater die Ausbildung. Im November 1852 nahm die Akademie der Bildenden Künste unter ihrem Leiter Wilhelm von Kaulbach Gisbert Flüggen als Ehrenmitglied auf.

Völlig überraschend starb Flüggen am 3. September 1859 und wurde wie viele Künstler seiner Epoche auf dem Alten Südlichen Friedhof an der Thalkirchner Straße in München beigesetzt. Auch sein Sohn Joseph liegt in der Grabstätte, die wie das gesamte Areal heute unter Denkmalschutz steht. Im Münchner Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg ist zudem eine Straße nach Gisbert Flüggen benannt. Siehe auch Gisbert heute.

   
Die beiden Bilder (l. und M.) zeigen die Grabstelle in München, in der Gisbert Flüggen und sein Sohn Joseph beigesetzt sind. Die Büste zeigt Gisbert Flüggen. Seine Frau Catharina ist im Familiengrab der Flüggens in Nürnberg (r.) beerdigt.

Die Witwe Gisbert Flüggens musste sich nach dessen Tode mit zwei kleinen Kindern durchschlagen. Ihre Töchter Anna und Josephine waren gerade erst sieben bzw. zwei Jahre alt. Auch Tochter Eudoxia war erst 16 Jahre alt. Glücklicherweise erwarb im Jahre 1863 der damals bereits abgedankte König Ludwig I. als Privatmann das letzte Gemälde Gisbert Flüggens von der Familie. Unterstützung erhielt Catharina Flüggen besonders von ihrem ältesten Sohn August, der in Nürnberg lebte und dort als Bauingenieur tätig war. Sie starb im Alter von 60 Jahren am 20. Mai 1875 in Nürnberg. Ihre Grabstelle befindet sich auf dem weltbekannten Johannisfriedhof, auf dem auch ihr Sohn August, dessen Frau Pauline und deren Nachkommen beigesetzt sind.